
Tarkan
19 April 2026

Mit dem technischen Start des eigenen 4G/5G-Netzes zum Dezember 2023 hat 1&1 den Sprung vom Service-Provider zum vierten vollwertigen deutschen Netzbetreiber vollzogen. Historisch war 1&1 Teil der Drillisch-Gruppe (United-Internet-Konzern, bekannt auch durch die Marken WEB.DE, GMX und IONOS) und nutzte über Jahrzehnte die Netze von Telefónica (O2) und Vodafone als Mobilfunkbasis. Seit dem Gewinn der 5G-Frequenzen 2019 baute das Unternehmen ein eigenes Netz auf, das inzwischen in über 2.000 Standorten in deutschen Großstädten sendet und via National-Roaming-Abkommen mit Telefónica die verbleibende Fläche abdeckt. Für Roaming-Kunden ist das wichtiger als es klingt: Ein frischer Netzbetreiber hat weniger internationale Roaming-Verträge als die etablierten Vodafone oder Telekom, das Welt-Zonen-Erlebnis hängt oft davon ab, ob eine Zielland-Tochter oder ein etablierter Partner zugänglich ist. Innerhalb der EU ist die Lage dagegen unauffällig: Roam-like-at-Home gilt vollumfänglich, wie bei allen deutschen Anbietern. Dieser Leitfaden zeigt, was 1&1-Kunden bei Auslandsreisen wissen sollten, wo die Fallstricke speziell für die junge 1&1-Marke liegen und wann eine Travel-eSIM TurkSIM die klar bessere Wahl ist.
Für 1&1-Kunden gelten im Ausland die gleichen regulatorischen Grundlagen wie für Telekom- oder Vodafone-Kunden. Die EU-Roaming-Verordnung 2015/2120 setzt Roam-like-at-Home voraus: Ihr deutsches Inlandsvolumen reist mit, Anrufe und SMS werden zu Heim-Konditionen abgerechnet, sobald Ihr Gerät in einem EU-/EWR-Land in eine Partner-Zelle einbucht. Das gilt für alle 1&1-All-Net-Flat-Tarife (5 GB, 15 GB, 50 GB, Unlimited) und für die Schwester-Marken winSIM, sim.de, yourfone und simply aus der United-Internet-Gruppe.
Außerhalb der EU greift die Welt-Zonen-Tarifstruktur, die 1&1 mit deutlich weniger Differenzierung als Vodafone oder Telekom anbietet. Typischerweise unterscheidet 1&1 zwei bis drei Welt-Zonen: Schweiz/UK als Europa-Extended-Variante, die klassische Welt-Zone (USA, Kanada, Japan, Australien, UAE) und die Fernreise-Welt-Zone (Thailand, Indien, Brasilien, afrikanische Märkte). Kreuzfahrt- und Satelliten-Roaming-Zonen gelten als Sondertarif. Die konkreten Preise und Tages-/Wochenpakete veröffentlicht 1&1 im Mein-1&1-Kundencenter und in der 1&1-Control-Center-App — sie ändern sich regelmäßig.
Anders als bei Telekom oder Vodafone Deutschland, die als Teil großer internationaler Konzerne viele eigene Töchter in Zielmärkten haben, ist 1&1 auf dem Welt-Roaming-Markt Neuling. Die internationalen Partnerschaften sind überschaubarer, bestimmte abgelegene Destinationen sind eventuell über andere Anbieter-Netze zugänglich, die 1&1 als Partner noch nicht gelistet hat. Für Europa, Nordamerika und die klassischen Tourismus-Zielregionen ist das unproblematisch, bei ausgewohnten Fernreisen sollten 1&1-Kunden vorab prüfen, ob das Zielland abgedeckt ist. Hintergründe zum allgemeinen Roaming-Framework bieten der Telekom-Roaming-Leitfaden und der O2-Roaming-Leitfaden.
Der eigene Netz-Aufbau seit 2023 ist für 1&1-Kunden ein relevanter Punkt, weil er auch das Roaming-Verhalten beeinflusst. Wer einen neueren 1&1-Tarif hat und in deutschen Ballungszentren mit 1&1-Eigennetz unterwegs ist, bewegt sich auf der 1&1-Infrastruktur. Außerhalb der Eigennetz-Zone rutscht das Handy per National-Roaming-Agreement auf Telefónica-Netz. Das ist kein internationales Roaming, sondern eine reine Inlandsregel.
Im Ausland wird die Frage nach dem Partner-Netz wichtig. 1&1 hat historisch über Telefónica internationale Roaming-Verträge genutzt, seit dem eigenen Netzstart werden sukzessive eigene Abkommen verhandelt. In der Praxis bedeutet das: Ihr Handy bucht je nach Zielland auf einen lokalen Partner, typischerweise Telefónicas internationale Töchter (Spanien, UK, Lateinamerika) oder über Interworking-Vereinbarungen andere MNOs.
Für Fernreisende hat das zwei praktische Konsequenzen. Erstens: In manchen Ländern erscheint beim Einbuchen eine ungewohnte Partner-Netz-Kennung in der SMS-Willkommensnachricht, weil die 1&1-Partnerkette anders geroutet als bei etablierten Anbietern. Zweitens: Die 1&1-Welt-Zonen-Tarife orientieren sich am Partner-Preis und können in Einzelfällen teurer sein als vergleichbare Telekom- oder Vodafone-Angebote. Wer häufig in die USA, nach Japan oder nach Sudostasien reist, prüft die konkreten Pakete vor Reiseantritt im 1&1-Kundencenter.
1&1-All-Net-Flat-Tarife folgen beim EU-Roaming-Fair-Use derselben EU-Formel wie alle deutschen Anbieter. In der Praxis bewegt sich die Grenze zwischen 25 und 50 GB pro Abrechnungsperiode, abhängig vom Tarif-Preis. Nach Überschreitung drosselt 1&1 nicht auf Null, sondern verrechnet einen Großhandels-Aufschlag pro GB (aktuell etwa 2 Euro, jährlich sinkend). Für den klassischen Urlaubs-Aufenthalt von zwei bis drei Wochen reicht der Cap meist aus.
Die Permanent-Roaming-Schutzklausel greift auch bei 1&1. Wer mehr Tage im EU-Ausland verbringt als in Deutschland und überwiegend roamt, kann zur Tarif-Prüfung aufgefordert werden. Das betrifft Grenzpendler, Digital-Nomaden und Langzeit-Reisende.
Die 5G-Drosselung ist bei 1&1 doppelt relevant. Einerseits hat 1&1 selbst in Deutschland einen 5G-Ausbau, der je nach Region schlagartig unterschiedlich ist — 1&1 priorisiert Großstädte und wichtige Verkehrsachsen. Andererseits drosseln Roaming-Partner im Ausland oft auf 4G/LTE. Wer die volle 5G-Geschwindigkeit im Ausland nutzen will, greift in der Regel zu einer lokalen SIM oder eSIM, die direkt auf dem 5G-Netz des Ziellandes aufbucht.
Wichtig zu wissen: Die automatische 50-Euro-Kostenbremse gilt auch bei 1&1 und bei allen Marken der United-Internet-Gruppe. Sie kann im Kundencenter deaktiviert werden, das ist aber für die allermeisten Nutzer nicht empfehlenswert. Weitere Kostenbremsen-Details: ALDI TALK Roaming im Ausland.
Die typischen Vorbereitungen ähneln anderen Anbietern, aber einige Punkte sind für 1&1 besonders relevant.
Prüfen Sie zunächst im 1&1-Control-Center oder im Mein-1&1-Kundenbereich Ihren aktuellen Tarif und die Roaming-Übersicht. Die dort verfügbaren Welt-Zonen-Pakete zeigen Ihnen, für welche Länder 1&1 Tagespakete hat und wo Pay-as-you-go die einzige Option ist. Bei abgelegeneren Zielen lohnt es sich, die Länderliste genau zu prüfen.
Aktivieren Sie das gewünschte Roaming-Paket vor der Reise. 1&1 bietet die Buchung über die App und per SMS an; der Paket-Start erfolgt mit der ersten Nutzung im Zielland. Das erspart Überraschungen am Flughafen, wenn Sie unmittelbar nach der Landung Google Maps oder Messaging brauchen.
Setzen Sie im Smartphone das Datenlimit. Unter iOS über Einstellungen, Mobilfunk, Daten-Roaming. Unter Android je nach Hersteller in den Mobilfunk-Einstellungen. Gerade für Grenzregionen zu Nicht-EU-Ländern (Schweiz-Grenze in Bayern, Türkei-Grenze Bulgariens, Moldau-Grenze in Rumänien) ist das wichtig, weil 1&1 sonst auf einem Nicht-EU-Netz einbuchen könnte und in die Welt-Zone rutscht.
Speichern Sie Offline-Karten. Google Maps deckt ganze Länder mit einer einzigen Karte, Komoot und Maps.me sind Ergänzungen für Wanderrouten und Road-Trips.
Moderne Geräte wie das iPhone 17, das Galaxy S26 oder Pixel 9 Pro unterstützen physische SIM und eSIM parallel. Eine Übersicht der eSIM kompatibel Telefone.
Drei Konstellationen machen den Doppel-Einsatz aus 1&1-Heimvertrag und TurkSIM-eSIM besonders überzeugend.
Der erste Fall ist die Fernreise in Länder mit begrenzter 1&1-Partner-Abdeckung. Typische Beispiele: Zentralasien (Usbekistan, Kasachstan), Teile Afrikas (Nigeria, Äthiopien), entlegene Südostasien-Destinationen. Hier bucht 1&1 möglicherweise auf Premium-Welt-Zone, die hohe Pro-MB-Preise vorsieht. Eine regionale eSIM oder eine land-spezifische Variante liefert lokale Tarife zu einem Bruchteil der Kosten.
Der zweite Fall betrifft klassische Tourismus-Destinationen mit hohem Datenverbrauch. USA, Japan, Thailand — wer dort zwei Wochen unterwegs ist, Navigation nutzt, Fotos synchronisiert und abends streamt, sprengt 1&1-Tagespaket-Budgets schnell. Eine eSIM für die USA oder eine eSIM für Thailand liefert ein Mehrfaches an Volumen zum Drittel der Kosten.
Der dritte Fall ist der EU-Langzeit-Aufenthalt. Digital-Nomaden in Lissabon, Barcelona, Ljubljana, Budapest oder Athen treffen nach zwei bis drei Arbeitswochen auf die Fair-Use-Grenze. Eine lokale eSIM mit 50 bis 100 GB oder Unlimited-Volumen löst das Problem, und gleichzeitig schaltet man die Permanent-Roaming-Schutzklausel aus, weil die Heimkarte weniger im Ausland gebraucht wird.
Die folgende Übersicht fasst die zentralen Unterschiede zusammen:
1&1-Kunden sind typischerweise preissensibel und technik-affin — die United-Internet-Marken (1&1, WEB.DE Mobil, GMX Mobil, sim.de, yourfone, simply) teilen eine Kundenbasis, die Wert auf Datenvolumen und transparente Tarife legt. Für genau diese Kunden ist die Dual-SIM-Kombination überzeugend.
Welt-Zonen-Reisen zum Viertel-Preis. Zwei Wochen USA mit ausgedehnter Daten-Nutzung, Cloud-Sync und Streaming liegen mit 1&1-Tages-Paketen schnell im dreistelligen Euro-Bereich. Eine lokale eSIM für die USA mit 10-30 GB Volumen liegt oft bei unter 50 Euro, bei voller 5G-Geschwindigkeit auf Verizon oder AT&T.
Balkan- und Nicht-EU-Mittelmeer-Routen. Wer eine Kroatien-Bosnien-Serbien-Rundreise plant oder von Bulgarien nach Istanbul fahren will, wechselt mehrfach zwischen EU- und Welt-Zonen-Tarifen. Eine regionale eSIM für Europa oder gezielte Einzel-eSIMs vermeiden das Hin und Her an der Kasse.
Digital-Nomaden-Aufenthalte. Deutsche Remote-Worker in Lissabon, Madeira, Teneriffa, Athen oder Prag treffen 1&1-Fair-Use nach zwei bis drei Wochen. Eine lokale eSIM mit 50-100 GB löst das.
Kreuzfahrten und Mehrländer-Routen. Im Hafen einer jeden Reise wechselt das Handy in das lokale Land-Netz. Mit einer multi-country-fähigen eSIM erspart man sich die Schiffs-Satelliten-Gebotsspirale und hat im Hafen sofort lokale Tarife.
Geldbeutel-Schutz bei Unsicherheit. Gerade bei 1&1-Welt-Zonen mit weniger transparenten Partner-Netzen ist eine eSIM die saubere Lösung: Festpreis vor der Reise, kein Risiko durch Pay-as-you-go-Ausfall der Kostenbremse oder durch unklare Zone-3-Aufschläge.
Ja. In allen 27 EU-Ländern sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen gilt Roam-like-at-Home. Ihr deutsches Inlandsvolumen, Freiminuten und SMS reisen mit.
Im Ausland bucht Ihr Handy wie gewohnt auf einen lokalen Roaming-Partner. Das eigene 1&1-Netz ist eine reine deutsche Infrastruktur — im Ausland nutzen 1&1-Kunden Partner-Netze über die seit 2023 sukzessive verhandelten 1&1-eigenen Roaming-Abkommen oder über den historischen Telefónica-Umweg.
Sie hängt vom Tarif ab und bewegt sich typischerweise zwischen 25 und 50 GB pro Abrechnungsperiode. Die genaue Grenze steht im Mein-1&1-Kundencenter unter Roaming-Übersicht.
Nein. Beide Länder sind kein EU-/EWR-Gebiet. 1&1 führt sie als Europa-Extended-Zone mit separaten Tagespaketen.
1&1 aktiviert einen Pay-as-you-go-Welt-Zonen-Tarif. Eine automatische Kostenbremse bei 50 Euro schützt, kann aber manuell deaktiviert werden. Im Zweifel Roaming-Paket vor der Reise aktivieren.
Ja, für die großen Tourismus-Destinationen hat 1&1 Partner-Abkommen. Bei abgelegeneren Zielen kann die Abdeckung Einschränkungen haben — im Mein-1&1-Kundencenter nachschauen.
Ja. Alle Marken der United-Internet-Gruppe (1&1, winSIM, sim.de, yourfone, simply, WEB.DE Mobil, GMX Mobil) nutzen dieselbe technische Basis und dieselben Roaming-Konditionen. Unterschiede liegen nur im Tarifpreis und in Zusatzleistungen.
Ja, im Kundencenter. Das ist aber nur sinnvoll für Vielreisende mit gebuchten Weltpaketen und klar vorhersehbarem Verbrauch. Für Gelegenheitsreisende erhöht die Deaktivierung das Risiko dreistelliger Rechnungen.
Ein inländisches Abkommen: Wenn Ihr 1&1-Handy in Deutschland keine 1&1-Eigennetz-Zelle empfängt, bucht es auf die Telefónica-Infrastruktur (O2-Netz). Für Roaming im Ausland ist das irrelevant.
Selten. Ein Vertragswechsel für bessere Roaming-Konditionen ist meist teurer als eine zusätzliche Travel-eSIM für die gewohnten Fernreisen. Eine Kombination aus 1&1-Heimvertrag plus projektbezogener TurkSIM-eSIM ist für die meisten Vielreisenden die flexibelste Lösung.
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